Wie funktioniert der Muskelstoffwechsel und was du bei der Fütterung beachten musst.

HEU! HEU! HEU!

Ja, sie macht es schon wieder…sie erzählt vom Heu. *schmunzel*

Im Ernst: Wenn die Fütterung schon an Heuqualität oder der Heumenge scheitert, brauchen wir uns nicht weiter über Muskelaufbau unterhalten. Und auch Zusatzfutter kann (und sollte!) nicht genutzt werden, um am Heu sparen zu können. Energetisch mag das zumindest rein rechnerisch funktionieren, ist aber nicht gut für den Verdauungstrakt deines Pferdes. Merke:

Wenn dein Pferd genügend Heu bekommt und trotzdem noch etwas braucht, DANN kannst du mit Zusatzfutter Lücken schließen. NICHT ANDERSHERUM.

Auch die Fütterung von Heulage oder sogar Silage halte ich nicht für gut. Denn bei (an)gegorenem Futter entstehen Stoffe in der Verdauung, die zu einer Überforderung der Leber führen (können). Für die Ausprägung und Entwicklung der Muskulatur ist die Leber von enormer Bedeutung. Sie wandelt körperfremdes Eiweiß, das über das Futter aufgenommen wird, in körpereigenes Eiweiß, also Muskeln, um.

Der Muskelstoffwechsel

Um zu funktionieren benötigt die Muskulatur des Pferdes Energie. Welche Form der Energie jeweils genutzt wird, ist abhängig von der Leistung, die erbracht werden soll.

Wenn du dich noch dunkel an den Bio-Unterricht zurückerinnerst, kommt dir vielleicht „ATP“ bekannt vor. ATP, oder lang Adenosintriphosphat ist ein besonders energiereiches Phosphat und der wichtigste Energielieferant überhaupt. Dieser wird nur in kleinen Mengen in Muskelzelle gespeichert. Während der Muskelarbeit wird ein Phosphat abgespalten, wodurch Adenosindiphosphat (ADP) entsteht. (Vorher TRI = 3, danach DI = 2). Das ATP ist in wenigen Sekunden verbraucht und muss ständig neu gebildet werden.

Merke: Aus ATP wird bei Arbeit ADP, also aus „Futterenergie“ wird „Muskelenergie“.

Da ja Energie nicht aus dem nichts kommt, muss zu erneuten Bildung von ATP eine andere Energiequelle angezapft werden: Kreatinphosphat. Keine Sorge, wir tauchen jetzt nicht in die Tiefen der Chemie ein. Aber bleib dran und scrolle nicht weiter, weil es kompliziert wird. Ich mache das ganz kurz und schmerzlos, aber so, dass du verstehst, warum das WIRKLICH WICHTIG ist.

Auch Kreatin(phosphat) kommt ja nicht von irgendwo. Wenn das verbraucht ist, muss auch das neu gebildet werden, was nur im Ruhezustand möglich ist. Die dafür angezapfte Energiequelle ist eingelagertes Glykogen aus Muskelzellen und teilweise auch aus der Leber. Glykogen ist die Speicherform von Glukose, also Traubenzucker. Wieviel dein Pferd davon zur Verfügung hat, hängt nicht nur vom Futter, sondern auch vom Fitnesslevel ab. Deshalb „ermüden“ untrainierte Pferde schneller.

Wenn der Zucker dann auch „alle“ ist, geht es an die Fettreserven. Bei kurzen Leistungen geht es noch gar nicht an die Speckpolster, erst bei Ausdauertraining, wie zum Beispiel bei Distanz- oder Wanderritten.

Und wenn auch das Fett alle ist (*hust* schön wär’s bei meiner Lady…) geht es an die letzte noch übrig gebliebene Energiequelle: die Eiweiße. DAS WOLLEN WIR ABER NICHT! Denn wenn es so weit ist, dass das Pferd an die Eiweißreserven muss, ist ein Zustand von deutlicher Überforderung erreicht. Und was besteht aus Eiweiß? Richtig, Muskeln. Die wollen wir ja AUFbauen und nicht ABbauen.

Während die Reserven an ATP und KP durch Futter oder Training nicht vergrößert werden können, ist das bei Glykogen und Fettsäuren durchaus möglich.

Die Sache mit dem Sauerstoff

Solange das Training das Pferd nicht überfordert und nur langsam und kontinuierlich gesteigert wird, arbeiten die Muskeln im aeroben Bereich. Das heißt, der Sauerstoff reicht aus, um den Muskelstoffwechsel zu betreiben. Dabei werden Kohlenhydrate (Zucker) und Fettsäuren (Speckpolster) verbrannt. Dabei entstehen Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O). Nach ca. einer Stunde ist der Zuckervorrat erschöpft und die Fettpolster werden benutzt. Das heißt aber nicht, dass du im Training übertreiben solltest, denn das Fett schmilzt nur MIT Sauerstoff.

Wenn du es also etwas zu gut meinst, weil du möglichst „schnell“ Muskeln aufbauen willst, erreichst du das Gegenteil. Denn im anaeroben Bereich, also ohne Sauerstoff, wird der Zucker nicht richtig abgebaut und es entsteht Laktat. Das ist umgangssprachlich Muskelübersäuerung, was dann zu Muskelkater führt.

Merke: „Viel hilft viel“ ist kontraproduktiv für den Muskelaufbau.

Woher weißt du, ob du im aeroben Bereich trainierst?

Wenn du es genau wissen willst, kannst du dir und deinem Pferd eine Pulsuhr gönnen und so die Herzfrequenz beim Training im Auge behalten. Diese sollte zwischen 15 und 50 % der maximalen Leistung deines Pferdes liegen. Die bekommst du raus, indem du EINMALIG (oder zweimalig, aber nicht oft!) dein Pferd an seine Höchstleistung motivierst. Dies geht mit besonders anstrengenden Übungen, wie Longieren am Berg oder einem sehr flotten Ausritt mit Anstieg. Sei dabei aber vorsichtig und achte genau auf dein Pferd. Nach der Maximalleistung braucht es unbedingt Erholung!

Wenn du dir den Muskelstoffwechsel anschaust, wird klar: Die Muskeln bauen sich in der Ruhephase nach dem Training auf. Denn da füllen sich die Speicher auf, die für das nächste Training gebraucht werden.

Fütterung

So, Butter bei die Fische. Was sollst du jetzt füttern?

Heu! (Ja, schon wieder Heu.) Und zwar mindestens 1,5 kg je 100 Kilogramm Körpergewicht. Und zwar vom SOLL-Körpergewicht. Wenn dein 500 kg Pferd eigentlich 700 kg wiegen müsste, dann muss es schließlich auch für 700 kg Heu bekommen. Und wenn das Pony 400 kg wiegt, aber 300 ausreichend wären, dann sollten wir uns wohl eher an den 300 orientieren, oder? Eine Ergänzung mit Stroh oder das Strecken von Heu mit Stroh ist in Maßen möglich und sinnvoll.

 

Wieviel Kraftfutter braucht mein Pferd und welches ist das Richtige?

Der erste Teil der Frage ist entscheidend: Wieviel Kraftfutter braucht mein Pferd? Hier kann auch „GAR KEINS!“ die richtige Antwort sein. Du hast oben gelesen, wie der Muskelstoffwechsel funktioniert. Wenn dein Pferd schon Speckpolster hat, die dringend verschwinden sollten, dann ist Heu oftmals völlig ausreichend.

Dein Pferd braucht dann lediglich ein hochwertiges Mineralfutter, damit eine ausreichende Versorgung mit den notwendigen Mineralstoffen und Spurenelementen gewährleistet ist. Dazu aber noch einmal später mehr.

Und wenn dein Pferd klapperdünn ist, dann reicht das Heu eben nicht. Klingt einfach, ist es auch. Dann gilt es ZUERST die Heurrationen zu überprüfen und ggf. zu erhöhen und DANN zu schauen, welches Kraftfutter noch zusätzlich Energie bringen kann. Denn es kann auch sein, dass dein Pferd zwar den ganzen Tag Heu frisst, aber auch das für seinen Bedarf nicht ausreichend ist. Dann geht es erst zum 2. Teil der Frage: WELCHES Kraftfutter ist das Richtige?

Hafer – das Beste fürs Pferd

Jap. Glaub mir. HIER kommst du noch einmal zum Artikel über Hafer.

Du hast die Empfehlung bekommen (woher auch immer), statt Hafer lieber Gerste zu füttern, weil das energiereicher ist? Nun, das stimmt teilweise. Wenn du dir aber Hafer und Gerste im Vergleich anschaust, siehst du, woher welche Energie kommt:

Hafer Gerste
Energie in MJ pro kg 13 14
verd. Rohprotein in % 9,7 9,9
Rofaser in % 11,0 5,5
Rohfett in % 5,2 2,5
Stärke in % 45 60
Tabelle 1: Vergleich der Hauptnährstoffe von Gerste und Hafer nach Kirchgessner, Tierernährung, 10. Auflage 1997

Während beide Getreidesorten ähnlich viel Eiweiß haben, enthält Hafer deutlich mehr Fett und die Gerste deutlich mehr Stärke. Außerdem hat der Hafer mehr Rohfaser (das ist gut!).

Die Sache mit der Stärke

Bei leichtfuttrigen Pferden und Pferden mit Stoffwechselerkrankungen (EMS, PSSM, …) gilt eine möglichst stärkearme Fütterung als besser. Aber auch für die Fütterung von Sportpferden haben Studien gezeigt, dass weniger Stärke Vorteile mit sich bringt.

Gerade Sportpferde, die Muskeln aufbauen sollen, aber auch bei Freizeitpferden die „aufgefüttert“ werden sollen, weil sie zu schmal sind, wird gern mal auf Gerste, Mais und Müslis damit zurückgegriffen. Der Dünndarm des Pferdes, in dem die Stärke mit Hilfe von Enzymen aufgespalten werden soll, kann diese Masse an Stärke nur bedingt verdauen. Die übrige, nicht aufgespaltene Stärke gelangt in den Dickdarm. Dieser verdaut ganz anders als der Dünndarm und ist auf Fasern ausgelegt. Somit überlastest du mit großen Mengen stärkereichen Futters den gesamten Darm und riskierst Fehlgärungen und Koliken. Somit sind Mais, Gerste und anderes Getreide kein wirklicher Ersatz zum guten alten Hafer.

Alternative Öl

Eine simple und gut verdauliche Erhöhung der Energiezufuhr erreichst du, indem du der Ration Öl und damit reines Fett hinzufügst. Dabei solltest du die Ölmenge langsam steigern und maximal bei 500 ml pro Tag landen. Aber auch deutlich geringere Mengen erzielen schoneinen Effekt. Zu Öl in der Pferdefütterung wird es bald einen weiteren Artikel hier geben.

(Das ist der Punkt, an den du am besten den Newsletter abonnierst, damit du nichts verpasst ? )

Maßvoll mehr Eiweiß

Beim Bäcker gibt es Eiweißbrot, statt dem Müsliriegel isst man heutzutage Proteinriegel und Sportler trinken Eiweißshakes für den Muskelaufbau. Nun glauben wir auch bei unseren Pferden, dass Eiweiß der Schlüssel zu den Muckis ist. Also werden gern eiweißreiche Futtermittel und Mischungen gefüttert, wie zum Beispiel Luzerne und Esparsette.

Das sind beides sehr gute Alternativen, wenn das Pferd denn TATSÄCHLICH mehr Eiweiß benötigt. Denn wenn der Eiweißbedarf schon ausreichend gedeckt ist, aber trotzdem noch viel mehr hinzugefüttert wird, entsteht schnell ein Eiweißüberschuss.

Und das ist dann genau das Gegenteil von dem, was du möchtest. Denn dieser Überschuss belastet den Stoffwechsel, insbesondere Leber und Nieren. So baut dein Pferd dann wiederum noch schlechter Muskeln auf.

Deshalb gilt es vorneweg herauszufinden, was denn im Heu schon enthalten ist. *hust* *HEUANALYSE* *hust*

Auch zu wenig Eiweiß ist unschön. Denn wenn dein Heu beispielsweise sehr reich an Kohlenhydraten ist, dann macht es dein Pferd zwar dick (im Sinne von Speckrolle), während aber gleichzeitig ein Eiweißmangel besteht. Deshalb baut dein Pferd trotz augenscheinlich genug Energie keine Muckis auf.

Zucker notwendig + Mineralisierung

Zucker ist zwar für viele der Teufel im Futtersack, aber ein zur Bildung von ATP werden eben Glucose, Fettsäuren und Aminosäuren benötigt. Ein bisschen Glucose braucht dein Pferd also schon.

Und ansonsten sind unter anderem Magnesium, Mangan, Zink, Selen, Calcium und auch Vitamine wichtig, damit im Muskelstoffwechsel überhaupt die beschriebenen Prozesse ablaufen können. Deshalb ist es wichtig, die Ration nicht nur auf den Energiegehalt, also Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße, zu kontrollieren, sondern eben auch für eine ausreichende Mineralisierung zu sorgen.

Aber auch das ist genug Stoff für einen weiteren Blogbeitrag. HIER kannst du schon etwas zum Thema finden.

Fazit

Noch einmal zusammengefasst: Hochwertiges Heu, dazu der Schluss möglicher Versorgungslücken mit Mineralfutter und nur dann Kraftfutter, wenn dein Pferd es auch braucht.

Um das zu ermitteln ist eine Heuanalyse mehr als ratsam. Damit kannst du dann weiterrechnen.

Im nächsten Seminar am Samstag (22.06.19) geht es um Heu und Rationsberechnungen, also genau um die Basis dafür, dass dein Pferd Muskeln aufbaut. Wenn du aus Magdeburg und Umgebung kommst, kannst du dir noch eins der letzten Tickets sichern. (HIER)

Außerdem überlege ich, die Rationsberechnung auch als Online Kurs anzubieten. Hast du schon den ersten Allerley Online Kurs „How to Trail“ gesehen? Warum auch die Haltung Einfluss auf den Muskelaufbau hat, erfährst du im nächsten Beitrag der Muskelaufbauserie.

Bis dahin, Gina

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