Warum Muskelaufbau nicht nur für Turnier- und Sportpferde wichtig ist.

Wir haben Anfang Juni, der Fellwechsel ist soweit durch und die Koppelsaison hat für die meisten Pferde begonnen. Dank der langen Tage und des schönen Wetters hast du bestimmt schon so einiges mit deinem Pferd gemacht – Longieren, Ausritte, Bodenarbeit, und so weiter… Mit Sicherheit hast du auch schon über den Muskelaufbau deines Pferdes nachgedacht und überlegt, was du noch so alles machen könntest. Vielleicht steckst du auch schon mittendrin?

In Teil 1 der kleinen Muskelaufbauserie schauen wir uns ein paar wesentliche Infos zum Thema Muskeln an. Unter dem Beitrag verlinke ich dir Quellen, in denen du weiter schnökern kannst, bis Teil 2 der Serie erscheint. (Da wird es um den Stoffwechsel und die Fütterung gehen!)

Muskeln aufbauen ist nicht nur ein Thema für Turnier- und Sportreiter – ganz im Gegenteil! Muskelkraft und Ausdauer kommen von einem starken Herzkreislauf und hoher Lungenkapazi­tät. Bei gut trainierten Pferden verringert sich außerdem das Risiko für Verletzungen, wie Sehnenschäden.

„Nur ein Pferd, das physisch und psychisch entspannt ist, und das gleichzeitig gewillt ist, seine Muskeln auf gesunde Weise anzuspannen, kann seine volle Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit entfalten.“

Muskeln sind dabei nicht gleich Muskeln und falsche Muskulatur kann ein Pferd ebenfalls krank machen. Damit du die Muskulatur deines Pferdes besser verstehen kannst, beginnen wir mit ein paar Basics.

Wie funktioniert der Bewegungsapparat des Pferdes?

Muskeln sind Faserbündel, die aus vielen Millionen Muskelfasern zusammengesetzt sind. Die kleinsten Bausteine der Muskulatur heißen Fibrillen und be­stehen hauptsächlich aus zwei Eiweißarten, dem Myosin und Aktin. Auf Eiweiße kommen wir an späterer Stelle noch einmal zurück.

Grundsätzlich werden drei Muskelarten unterschieden:

  • Herzmuskulatur: Der Herzmuskel spielt eine ganz besondere Rolle, denn er ist Kern deines Pferdes. Und: ohne Herzschlag kein Leben.
  • Glatte Muskulatur: Die glatte Muskulatur ist zustän­dig für die inneren Organe. Wie den Verdauungsapparat und die Gefäße.
  • Skelettmuskulatur: Diese Muskeln sind zuständig für die Motorik, also die Bewegungen deines Pferdes.

Dynamische und statische Muskeln

Die Skelett- oder Bewegungsmuskulatur kann in dynamische und statische Mus­keln unterteilt werden. Die dynamischen Muskeln versetzen den Pferdekörper in Bewegung und sind eher lang, ober­flächlich und flexibel in der Kon­traktion und Dehnung.

Die statischen Muskeln wiederum sorgen für die Stabilität und Haltung. Diese sind eher kürzer und liegen nahe an den Gelenken. Diese Muskeln sind nicht beson­ders kontraktions- bzw. deh­nungsfähig und arbeiten haupt­sächlich isometrisch.

Wie werden Musklen aufgebaut?

Teamwork in der Pferdemuskulatur

Neben den Unterscheidungen, die wir eben beschrieben haben, werden Muskeln noch in verschiedene Tätigkeitsgruppen aufgeteilt. Es gibt die Beuger, die Strecker und die Rotatoren. Den ausübenden Muskel nennt man Agonist und den streckenden Muskel Antagonist. Das verdeutlicht, dass immer mehrere Muskeln zusammenarbeiten, um eine Bewegung zu vollziehen.

Die verschiedenen Arten der Muskelkontraktion

  • die konzentrische Kontraktion (verkürzter Muskel)

Mit der konzentrischen Kontraktion findet eine aktive Muskelverkürzung statt. Wenn du zum Beispiel ein Gewicht (z.B. Wasserflasche) in die Hand nimmst und mit dem Unterarm hochhebst, dann führt dein Bizeps dabei eine konzentrische Kontraktion durch. Eine vergleichbare Bewegung bei deinem Pferd wäre das Heben des Vorderbeins.

  • die exzentrische Kontraktion (verlängerter Muskel)

Die aktive Muskelverlängerung wiederum findet statt, wenn du deinen Unterarm mit der Wasserflasche wieder herunterlässt. Bei deinem Pferd wäre es, bezogen auf unser Beispiel, das langsame Herunterlassen des Hufs.

  • die isometrische Kontraktion (angespannter Muskel)

Wenn der Muskel weder verkürzt noch gestreckt, also nicht bewegt, aber trotzdem angestrengt wird, spricht man von der isometrischen Kontraktion. Denn auch, wenn es dabei keine aktive Bewegung gibt, beanspruchst du Muskeln. Das merkst du, wenn du die Wasserflasche lange hältst.

Beim Training mit deinem Pferd werden alle Kontraktionen mehr oder weniger genutzt. Je nachdem, wie du das Training aufbaust, verlagert sich der jeweilige Anteil. Alles, was Bewegung ist, zum Beispiel Traben, benötigt viel aktive Bewegung und damit aktive Kontraktionen. Versammelnde Übungen hingegen benötigen mehr isometrische Kontraktion, also „Haltekraft“.

Bei der Bewegung wechseln sich die Muskeln in ihrer Tätigkeit ab, während versammelnde Übungen konstantes Belasten der jeweiligen Muskeln bedeuten. Die isometrische Kontraktion solltest du also (wie natürlich grundsätzlich alle Übungen) erst langsam steigern.

Ein Beispiel für dich, um das besser nachvollziehen zu können: Mache mal 10 Kniebeuge (aktive Bewegung) und nach kurzer Pause machst du genauso lange nur 1 Kniebeuge, die du aber hältst (in der Kniebeuge stehen bleiben). Du wirst merken, dass die Belastung eine ganz andere ist.

Der tatsächliche Aufbau der Muskeln erfolgt dann in der auf das Training folgenden PAUSE!

So, jetzt hast du ein paar Kniebeuge gemacht und grundlegende Infos zur Muskulatur gelernt. Im nächsten Teil der Muskelaufbauserie schauen wir uns den Muskelstoffwechsel und die richtige Fütterung zur Unterstützung des Muskelaufbaus an.

Und noch einmal: Muskeln werden in der Ruhephase aufgebaut!

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Genieß die Zeit mit deinem Pferd!

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