Wie tolerant ist dein Pferd?

Wie lang ist deine letzte Biologiestunde her? Bei mir sind es gute neun Jahre, in denen viel in Vergessenheit geraten ist. Doch über manche Stichwörter stolpert man immer wieder. Viele Dinge, die ich damals mehr oder minder gut auswendig gelernt habe, machen heute viel mehr Sinn, weil man da draußen einen großen, haarigen Vierbeiner hat, der als Anschauungsobjekt dient. Heute möchte ich dich auf einen kleinen Exkurs in das Thema „Mineralstoffbedarf des Pferdes“ mitnehmen und die Frage beantworten, warum wir die Meinung vertreten, dass ein ausgewogenes, passendes Mineralfutter genauso zur Pferdefütterung gehört, wie gutes Heu.

Die Theorie: von Toleranzkurven, Minimum, Maximum und Co.

Was ist eigentlich ein Toleranzbereich? Nun, laut lehrbuchmäßiger Definition verstehen wir unter dem Toleranzbereich einen Bereich, in dem die Existenz eines Lebewesens möglich ist. Aber möglich heißt noch lange nicht „angenehm“. Nehmen wir zum Beispiel die Temperatur, so würden mir wahrscheinliche viele von euch zustimmen, wenn ich sage: bei 40° im Sommer lebe ich zwar noch, aber schön ist etwas anderes. Oder andersherum: bei -40° würde ich zusehen, dass ich mir einen wärmeren Platz zum existieren suche. Dennoch merkst du: der Toleranzbereich ist recht groß. Und das ist gut so, denn viele Einflüsse, denen wir ausgesetzt sind, können wir nicht einfach zu unseren Gunsten ändern.

Die Natur hat uns diesen Spielraum gegeben – uns anpassungsfähig gemacht.

Trotzdem hat jeder Toleranzbereich ein Anfang oder ein Ende: denken wir bei diesem Beispiel an Unterkühlung (das Minimum) und Überhitzung (das Maximum). Zwischen diesem Minimum und dem Maximum befindet sich die sogenannte ökologische Potenz – ein Bereich, in dem ein Organismus ohne große Einschränkungen gut funktioniert. So richtig gut funktioniert dieser aber im ökologischen Optimum. Und so wie ich es lieber auch im Sommer etwas kühler als richtig heiß mag, und ihr vielleicht erst ab 25° so richtig Spaß habt, ist dieses Optimum ziemlich schwer festzulegen und sollte individuell betrachtet werden. Genauso geht es eurem Pferd. Und das betrifft nicht nur die Toleranz deines Pferdes, was die Temperatur angeht. Sondern auch den Mineralstoffbedarf.

So optimal wie möglich

Was heißt das für dich? Generell kann man sagen: unsere Pferde sind ziemlich tolerante Tiere. Nicht umsonst werden auch Pferde gesund alt, die noch nie ein Mineralfutter bekommen haben. Es zeigt sich auch hier, dass die Toleranz zwischen den Individuen ganz unterschiedlich ist. Pferd A hat einen ganz anderen Anspruch und steckt einen „rechnerischen“ Mineralmangel weitaus schlechter weg, als Pferd B, das genauso versorgt wird und keineswegs wirkt, als würde es ihm an etwas fehlen. Daher ist auch hier unsere Devise: eine gute Fütterung besteht nicht nur aus einer möglichst guten, theoretischen Berechnung sondern einer großen Portion Beobachtungsgabe. Leider ist es auch in diesem Bereich häufig so, dass das Kind erst in den Brunnen fallen muss, bevor man sich auf Spurensuche begibt – und das gilt für eine Unterversorgung genauso, wie für eine Überversorgung. Und deshalb sind wir davon überzeugt: eine angepasste, maßvolle Zugabe von Mineralfutter schadet keinem Pferd. Ganz im Gegenteil.

Der Status Quo: die optimale Grundversorgung?

Den Großteil der Nährstoffe, Mengen- und Spurenelemente sollte jedes Pferd, unabhängig von Rasse, Alter und Nutzung, über qualitätvolles Heu aufnehmen. Natürlich gibt es auch innerhalb von Deutschland große Unterschiede in der Zusammensetzung, doch im Großen und Ganzen ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Pferd nur mit Heu rundum vollversorgt werden kann.

Theoretisch ist dies sicher möglich: würde ich meiner Isländerstute etwa 25 Kilo von einem durchschnittlichen Heu füttern, wäre der Bedarf aller Mengen- und Spurenelemente durchaus gedeckt. Die Probleme dabei: nicht einmal sie (als bekennende Fressmaschine) würde 25 Kilo Heu pro Tag fressen können. Und selbst wenn, würde sie an einem Tag dreimal mehr Kalorien zu sich nehmen, als sie bräuchte. Außerdem wären viele Mineralstoffe dermaßen überdosiert, dass es dem Körper mehr schaden als nützen würde. Ihr merkt: Heu allein ist leider nicht die Lösung. Und auch in Rationen, die aus Heu und Hafer bestehen, sind nur selten (rein rechnerisch) optimal. Und deshalb sagen wir: ein gutes Mineralfutter beugt vielen Problemen vor und sollte die Fütterung eher vereinfachen, als zu verkomplizieren.

Du willst wissen, was in deinem Heu steckt? Die LUFA Nord bietet eine umfassende Analyse an (HIER!).

Der Status Quo: Blutbild oder Haarmineralanalyse?

Oftmals fallen Mängel in der Versorgung eines Pferdes zufällig bei der Erstellung eines großen Blutbildes auf. Das jährliche Kontrollblutbild gehört heutzutage zum guten Ton des verantwortungsbewussten Pferdebesitzers könnte man meinen – dennoch sollte Ruhe bewahrt werden, wenn sich im Blutbild ein Mangel oder ein Überschuss zeigt! Einzelne Werte im Blutbild zu bewerten ist zu kurz gedacht, daher sprich mit deinem Tierarzt, um etwaige Zusammenhänge erläutern zu lassen. Ein Selenmangel oder Kaliumüberschuss im Blutbild macht noch kein krankes Pferd.

Stichwort 1: Toleranzbereich. Stichwort 2: Individuum!

Wie ich bereits erwähnte, gibt es durchaus Pferde, deren Mineralhaushalt nicht optimal auf dem Blatt Papier steht, denen es aber trotzdem gut geht. Das soll nicht heißen, dass du das Blutbild deines Pferdes nicht als Anhaltspunkt nehmen kannst, um die Fütterung zu optimieren. Aber Panikkäufe oder überstürztes Handeln in Form von Füttern einzelner hochdosierter Zusätze ist hier nicht immer die beste Lösung.

Als aussagekräftiger als ein Blutbild gilt heute die Haarmineralanalyse, die keineswegs mit einer Bioresonanzanalyse verwechselt werden sollte. Durch die Analyse einer Haarprobe wird hier nicht wie bei einem Blutbild eine Momentaufnahme gemacht, sondern die Versorgung über einen längeren Zeitraum untersucht. Du hast Interesse an so einer Analyse? Dann schau HIER vorbei, wo du auch eine umfangreiche PDF zum Thema Mineralstoffe findest.

Und jetzt?

Jetzt beginnt die große Diskussion: welches Mineralfutter sollst du füttern? Ein Thema, über das sich gern gestritten wird und vielschichtig ist – und um das es in einem nächsten Blogbeitrag geht. Bis dahin interessiert uns: fütterst du deinem Pferd ein Mineralfutter? Auf was hast du beim Kauf dabei besonders geachtet?

Schreib uns deine Erfahrungen in die Kommentare!

Liebe Grüße, Linda