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Futter als Liebesbeweis

„Liebe geht durch den Magen!“ – den Spruch kennst du mit Sicherheit. Wenn du selbst gern kochst, dich bekochen lässt oder einfach gern isst und naschst, wirst du das bestätigen können.

Wir Pferdemuttis neigen dazu, dieses Motto auch auf unsere Lieblinge zu beziehen und Futter als eine Art Liebesbeweis zu sehen. Dabei sage ich absichtlich nur Muttis, denn bei den Vatis scheint das Phänomen nicht ganz so ausgeprägt zu sein… Die fürsorgliche Pferdebesitzerin hingegen füttert, was das Zeug hält. In diesem Beitrag geht es aber nicht um das Raufutter als Grundversorgung, sondern um Zusatzfutter und extra Leckereien.

Wann füttern wir?!

Wann bekommt dein Pferd von dir etwas zu essen? Es gibt bestimmt eine, zwei oder drei Möhren zur Begrüßung, oder?? Und dann beim Putzen, wenn er oder sie artig steht, bekommt er oder sie ein Leckerchen. Während des Spaziergangs, beim Aufsteigen, nach einer besonders tollen Übung… immer wieder ertappe ich auch mich selbst dabei, wie ich meiner Stute ein Leckerli oder ein Stück Möhre zustecke. (Und die Dicke braucht es nun wirklich nicht!)

Dann gehört es mittlerweile zum guten Ton, dass das Pferd täglich eine Ration Kraft- oder Zusatzfutter bekommt. Nach getaner Arbeit gibt es meistens sogar eine Extraportion. Bei Pferden in Gruppenhaltung bekommt jedes Tier einen Eimer um, alles andere ist ja unfair (ohne Ironie! Das empfehlen sogar wir, damit der Kandidat ohne Eimer nicht eifersüchtig in fremden Schüsseln nascht.).

Ach ja, und zur Verabschiedung darf es auch noch ein Möhrchen sein…

Was füttern wir?!

Die obligatorische Möhre ist ja klar… Möhren gibt es aber nur mindestens als 1kg-Paket. Manche Tüten haben aber auch drei Kilogramm Inhalt. Und schwuppdiwupp sind die in kürzester Zeit im Pferd gelandet.

Eine ganz besondere Belohnung ist ein frischer Apfel. Und für eine Banane macht so manches ruhige Pony einen Affentanz… HA! Banane… Affentanz… Du weißt schon, was ich meine!

Hinzu kommt eine riesengroße Bandbreite an Pferdeleckerlis, die du in allen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen kaufen kannst. Immer mehr von unseren Kunden berichten zudem, dass sie ihre Leckerlis selbst backen. Das Stückchen Würfelzucker hingegen scheint heutzutage aus der Mode zu sein.

Das alles sind aber nur Belohnungen und Naschereien zwischendurch. Das eigentliche Kraft- oder Zusatzfutter kommt ja auch noch hinzu. Gefüttert wird die ganze Bandbreite: Getreidefreies Müsli oder doch der klassische Hafer, Mash, Struktur-Mixe, und, und, und. Ergänzend dazu kommt ein ausgewähltes Mineralfutter, ein Schwapp Öl, vielleicht noch Kräuter, ein Kräutersaft, ein bisschen Rote Beete drüber. Kommt dir das bekannt vor?!

Du brauchst dich jetzt nicht schuldig oder ertappt fühlen – ich meine das nicht böse. Im Gegenteil! Ich bin selbst Pferdebesitzer und mache vieles davon selbst. Aber dann und wann müssen wir Pferdemamas uns eben auch mal hinterfragen…

Warum füttern wir?!

Wir alle lieben unsere Vierbeiner. Ich denke, das unterschreibst du so, oder?! Als Besitzer eines Pferdes (oder auch eines Hundes, einer Katze, …) trägt man viel Verantwortung. Du bist für das Wohl deines Tieres zuständig und willst nur das Beste.

Außerdem möchtest du deinem Pferd deine Liebe auch zeigen. Dafür benutzen wir Menschen neben Streicheleinheiten das Futter und die Leckerlis. Ich erwische mich auch manchmal dabei, dass Lady noch eine Möhre extra bekommt, wenn ich es die ganze Woche nicht raus geschafft habe. Damit versuche ich dann meine Schuldgefühle quasi „wegzufüttern“. Sicher hast du auch schon einmal Gewissensbisse deinem Pferd gegenüber gehabt. Und? Gab es dann ein Leckerchen mehr?!

Das Problem dabei…

…wir Menschen übertragen unsere Vorlieben und Gedanken auf unser Tier. Häufige Denkmuster:

  1. Das Futter muss gut aussehen und lecker riechen. Das Auge isst mit!
  2. Das Futter muss toll schmecken – wir kochen ja auch lecker für uns selbst.
  3. Je mehr bunte Sachen drin sind, desto besser schmeckt es.
  4. Das Pferd braucht Abwechselung bei der Fütterung.
  5. Nur Heu reicht nicht aus.
  6. Ein Pferd braucht Frühstück/Mittagessen/Abendbrot.
  7. Nach dem Training muss ich eine Extraportion füttern.
  8. Liebe geht durch den Magen. (Der Klassiker!)
  9. Noch eins mehr wird schon nicht schaden…

Tatsächlich sieht es aber ganz anders aus:

  1. Nur, weil ein Futter für DICH gut aussieht, ist das noch lange nicht genauso für dein Pferd. Die Industrie nutzt unsere Sinneseindrücke ganz bewusst aus und macht Müslis und Co. besonders bunt und duftend. Guck dir mal das Lieblingsfutter von deinem Pferd an: Heu und Gras! Sieht das für dich besonders bunt aus oder riecht es nach 1001 Nacht?! Siehst du…
  2. Lecker ist relativ. Auch bei Pferden variiert der Geschmack. Fest steht: In der freien Wildbahn würden Pferde in erster Linie karges Gras (ähnlich zu Heu) fressen, Wasser trinken und hier und da mal an einem Baum etwas Rinde knabbern. Unsere domestizierten Pferde sind schlichtweg verwöhnt und wir selbst erziehen ihnen „Mäkeligkeit“ oft an. Klar, der Liebling soll das Futter schon mögen, aber jeden Tag eine andere Geschmacksexplosion muss es wirklich nicht sein.
  3. Siehe 1.!
  4. Siehe 2.!
  5. Tatsächlich reicht gutes Heu den meisten Pferden aus, um zumindest den Energiebedarf zu decken. Das hängt natürlich stark von der Beschaffenheit und Zusammensetzung des Heus, sowie von der Art der Bewegung und Arbeit des Pferdes ab. Was wir hingegen in den meisten Fällen empfehlen: ein gutes Mineralfutter als Ergänzung, damit die Versorgung mit allen Mineralstoffen und Spurenelementen gewährleistet ist.
  6. Das Denken in Mahlzeiten ist für uns Menschen selbstverständlich. Pferde hingegen sind Dauerfresser und sollten dementsprechend den ganzen Tag Zugang zu Heu haben. Fresspausen geben sie sich selbst, wenn sie gesättigt sind (darauf gehen wir in einem folgenden Beitrag nochmals genauer ein!). Mahlzeiten, wie wir sie essen, braucht ein Pferd nicht.
  7. Nach dem Training willst du dein Pferd extra belohnen und gibst eine ganz besondere Mischung?! Nun, dein Pferd wird diese Portion bestimmt gern nehmen, aber da zwischen Lektion und Fütterung meist etwas Zeit vergeht, wird es das Futter nicht mehr mit der Arbeit in Verbindung bringen und somit auch nicht als Belohnung verstehen. Je nach Länge der Beschäftigung kann es zudem sinnvoll sein, dass dein Pferd erst etwas Heu frisst, bevor es die Kraftfutterration bekommt.
  8. Bei so manchem verfressenen Huftier könnte man meinen, dass es stimmt. Aber seien wir mal ehrlich: Dein Pferd wird dich nicht mehr oder weniger lieben, wenn du heute eine Extraportion fütterst oder morgen mal die Möhren vergisst. Für die Bindung zwischen dir und deinem Pferd sind ganz andere Punkte ausschlaggebend, wie zum Beispiel die Zeit, die ihr gemeinsam verbringt oder die Erfahrungen, die ihr zusammen macht.
  9. Doch! Denn dieses kleine Leckerli extra oder die Handvoll mehr Futter…das alles läppert sich zusammen und wird zur Gewohnheit.

 

Glaubt man Constanze Röhm (und ja, das sollten wir! Conny Röhm ist DIE Futterexpertin in Deutschland und eine absolute Kompetenzbombe!) sind in Deutschland wesentlich mehr Pferde zu dick als zu dünn. Wir leben in Wohlstand und es geht auch unseren Pferden außerordentlich gut. Den meisten geht es sogar zu gut. Denn ein Großteil ist schlichtweg zu fett. Zu wenig Bewegung gepaart mit zu viel (und teilweise dem falschen) Futter führt zu Wohlstandskrankheiten. Das fängt bei offensichtlichen Krankheiten wie Hufrehe, EMS und Cushing an und geht weiter zu Allergien, Ekzeme, Husten, Sehnen- und Bänderproblemen, und, und, und…

Du liebst dein Pferd und du willst es gut versorgt wissen. Es soll gesund und munter sein und möglichst lange fit an deiner Seite bleiben.

Deshalb versuchst du das allerbeste Futter für deinen Liebling zu finden. Du recherchierst und probierst und scheust dich weder vor Kosten noch vor Mühen, um DAS Futter zu finden.

Wenn du dabei aber von dir selbst ausgehst statt von deinem Pferd und selbst auch einige der oben genannten Denkfehler begehst, kannst du deinem Pferd unbewusst und ungewollt schaden.

Das klingt gruselig und soll natürlich nicht heißen, dass du sämtliches Futter aus deiner Sattelkammer, Futtertonne und Jackentasche verbannen sollst. Ein gutes Zusatzfutter, sofern es dein Pferd benötigt und ohne unnötige Buntmacher und Co., sowie ein hochwertiges Mineralfutter dürfen sehr wohl in dein Pony. Und klar, du darfst auch weiter Leckerli oder mal eine Möhre geben. Aber vielleicht denkst du jetzt noch etwas bewusster darüber nach, was du wie oft und in welcher Menge in die kleine Schnute steckst… und natürlich auch warum.

Ich bin mir sicher, dein Pferd liebt dich auch so und braucht kein Kilo Möhren und 5 Äpfel die Woche als Liebesbeweis 😉

Liebe Grüße, Gina

By |2018-07-17T17:07:24+00:00Juli 17th, 2018|Fütterung, Liebe|0 Comments

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